Der erschreckend monumentale Cthulhu

von | 31.10.2021 | #Todesstadt, Belletristik, Buchpranger, Specials

Mit „Cthulhus Ruf“ erschuf H. P. Lovecraft 1926 einen Meilenstein der Horrorliteratur und legte damit den Grundstein für den Cthulhu-Mythos. Ab da versuchten viele diese Geschichte in Bildern wiederzugeben, darunter auch Illustrator Franҫois Baranger. Geschichtenerzähler Adrian ist in die monumental wirkenden Bilder eingetaucht.

Nach dem Tod seines Großonkels George Angell geht Francis Thruston die Unterlagen des Professors durch und stößt auf Hinweise, die auf die Existenz eines scheinbar außerweltlichen Wesens mit dem Namen Cthulhu hindeuten. Unter den Hinterlassenschaften von George Angell befindet sich etwa ein Basrelief, das jenes tentakelköpfige Wesen abbildet, dessen Erschaffer von verstörenden Träumen heimgesucht wurde. Ebenso findet Thruston Aufzeichnungen einer Archäologie-Konferenz, die vom Fund einer Cthulhu-Statue durch den Polizeiinspektor Legrasse bei einem Kult in Louisiana berichten.

Als Thruston selbst Nachforschungen anstellt, kommt er auf die Spur des Norwegers Gustaf Johansen, der dem Kult des Cthulhu ebenfalls begegnet ist und auf dem Meer etwas Unvorstellbares entdeckte.

Großformatiger Schrecken

Diese illustrierte Ausgabe von Lovecrafts Geschichte misst fast A3-Größe. Dies bietet Franҫois Barangers Illustrationen, die sich teils über eine Doppelseite erstrecken, die Möglichkeit sich im vollen Ausmaß zu entfalten. In die beinahe fotorealistischen Illustrationen fügt sich der Text von „Cthulhus Ruf“ ein und verbindet sich immersiv mit dem Abgebildeten.

Manchmal wirken diese großformatigen Illustrationen, beispielsweise bei der Darstellung von Innenräumen, etwas sehr überdimensioniert. Doch gerade in jenen Momenten, wenn der Kult in den Wäldern Louisianas um riesige Feuer tanzt, New York im Schatten des Großen Alten infernalisch brennt oder Cthulhu erwacht und seinen Zorn auf hoher See entfesselt, hätte jedes kleinere Format die Intensität aus den Bildern genommen. Auch das Spiel mit Licht und Schatten sorgt für eine unheimliche Mystik, wenn etwa schattenhafte Tentakeln in einem mondlichtdurchfluteten Krankensaal nach dem umnachteten Künstler zu greifen scheinen. Bei manchen wünscht man sich beinahe, dass sie auf riesigen Leinwänden präsentiert werden würden.

Moderne Aufbereitung

Es ist schwer zu verleugnen, dass Lovecrafts rassistische Ansichten auch vor seinen Geschichten nicht halt gemacht haben. So strotzen Textabschnitte vor menschenverachtendem Rassismus und Herabwürdigung von nicht-weißen Personen, in Form von Zuweisungen degenerativer Eigenschaften im Verhalten und Aussehen. Was in Lovecrafts ursprünglichen Werken jedoch noch ein Produkt seiner Zeit und somit der damaligen Ansichten ist, sind heute Makel, und so tun heutige Interpretationen gut daran, diese Textstellen nicht mitzunehmen und reflektiert aufzuarbeiten.

Diese illustrierte Ausgabe schreibt Herabwürdigungen und Ekel den entsetzlichen kultischen Aktivitäten der Personen zu und nicht der ethnischen oder kulturellen Herkunft, wie es Lovecraft tut. So wurden beispielsweise rassistische Bezeichnungen aus dem Text entfernt, ohne jedoch dem Satz den Sinn zu entziehen.

Beklemmend fantastisch

Schon beim Lesen der detaillierten Beschreibungen in der Originalgeschichte von „Cthulhus Ruf“ entstehen Bilder voll faszinierendem und gleichzeitig beängstigendem Erstaunen. Wie der in der Geschichte von prophetischen Albträumen geplagte Künstler, schafft es Baranger, Bilder voller imposantem Schrecken einzufangen und auf Papier zu bringen. Diese verweben sich mit der Geschichte und erschaffen ein fesselndes und wahrhaft imposantes Leseereignis, das lange im Gedächtnis bleibt.

Call of Cthulhu. H. P. Lovecraft. Weird Tales. USA. 1928.

Cthulhus Ruf. H. P. Lovecraft. Illustrationen: Franҫois Baranger. Heyne Verlag. Deutschland. 2020.

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