Fünf Fragen an Leo Timmers

von | 01.06.2026 | #buch&kunst, Bilderbücher, Buchpranger, Im Interview, Specials, Stadtgespräch

Leo Timmers fasziniert mit seinen unterhaltsamen Bilderbüchern große und kleine Leser*innen. Zuletzt ist sein Bilderbuch „Immer zusammen“ im aracari Verlag erschienen. Im Rahmen unseres Specials „buch&kunst“ hat Worteweberin Annika ihm ein paar Fragen gestellt.

BM: Wie finden Ihre Illustrationen ihren Weg von der Idee aufs Papier – oder auf den Bildschirm?

LT: Ich beginne den Prozess immer mit spontanem Kritzeln, indem ich wahllos Bilder zeichne. Ich zeichne so lange, bis ein Bild entsteht, das meine Fantasie beflügelt und das ich interessant finde. Meistens führt das zu einer Bilderserie und, wenn ich Glück habe, zu einer Geschichte. Für mich ist es sehr wichtig, dass die Grundidee in erster Linie auf visueller Ebene funktioniert. Das ist ein ziemlich magischer Prozess, bei dem Unerwartetes passieren kann. Kreativität in ihrer reinsten Form. In einem nächsten Schritt fertige ich kleine Entwürfe an, um zu sehen, ob die Idee in Buchform funktioniert, ob die Geschichte in sich schlüssig ist und ein zufriedenstellendes Ende hat. Danach beginne ich zu skizzieren, bis jedes Problem gelöst und jede Doppelseite genau definiert ist. Die letzte Phase ist die Umsetzung, in der ich alle Illustrationen male. Der gesamte Prozess dauert etwa ein Jahr.

BM: Woher kommt Ihre Inspiration?

LT: Es ist schwer zu sagen, woher die Inspiration genau kommt. Es kann alles Mögliche sein! Ich würde jedoch sagen, dass die Inspiration oft aus meiner eigenen Kindheit zu stammen scheint.

Das geschieht nie bewusst, aber im Nachhinein kann ich Ideen oft auf Dinge zurückführen, die ich erlebt habe, als ich noch sehr jung war. Zum Beispiel wurde „Gust der Mechaniker“ von der Garage meines Onkels inspiriert, in der wir an den Wochenenden Verstecken spielten und uns hinter Ölfässern oder Reifen versteckten. Manchmal kann die Inspiration so einfach sein wie meine Katze, die als Modell für meine Geschichte „Ein Haus für Harry“ diente.

BM: Gibt es eine Geschichte, die Sie gerne einmal illustrieren würden?

LT: Nicht wirklich. Vor Jahren habe ich beschlossen, nur noch meine eigenen Geschichten zu illustrieren. Ich möchte einfach nur mein Handwerk verbessern und Worte und Bilder auf interessante und aussagekräftige Weise miteinander verbinden.

BM: Hat sich Ihr Beruf im Laufe der Zeit verändert?

LT: Unser Bereich hat sich enorm professionalisiert. Als ich anfing, war das Illustrieren von Kinderbüchern in Belgien kaum ein richtiger Beruf. Natürlich gab es großartige Künstler, die wunderbare Arbeit leisteten, aber seit meinem Debüt Anfang der 90er Jahre ist der Bereich immens gewachsen, und viele junge, aufstrebende Künstler versuchen, in den Beruf einzusteigen. Diese Professionalisierung ist eine gute Sache, aber da so viele Künstler um Aufträge konkurrieren, ist es auch schwieriger, eine dauerhafte Karriere aufzubauen und seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Als ich anfing, gab es noch nicht so viele Illustratoren, und ich konnte mich künstlerisch weiterentwickeln, Stile und Techniken ausprobieren und gleichzeitig Bücher veröffentlichen. Man konnte sich Fehler und Misserfolge leisten. Ich bin mir nicht sicher, ob das heute noch möglich ist.

Ein weiterer Aspekt ist die Digitalisierung. Die digitale Illustration hat die Branche verändert, im Guten wie im Schlechten. Persönlich ziehe ich den Charme traditioneller, handgefertigter Kunst der digitalen Kunst immer noch vor, aber letztendlich spielt das keine Rolle. Das Einzige, was zählt, ist: Ist es ein gutes Werk?

BM: Wenn Sie ein Buch sein könnten, welches wäre es?

LT: Natürlich wäre ich gerne ein Bilderbuch! Vielleicht wäre ich gerne „Die kleine Raupe Nimmersatt“ von Eric Carle. Ich kann viel essen und trotzdem als wunderschöner Schmetterling davonfliegen!

Five Questions for Leo Timmers

BM: How do your illustrations find their way from idea to paper – or screen?

LT: I always start the process with spontaneous doodling, randomly drawing images. I keep drawing until an image appears that will spark my imagination and that I find interesting. Usually this leads to a series of images and if I’m lucky, to a story. For me it is very important that the basic idea works primarily on a visual level. This is a pretty magical process where unexpected things can happen. Creativity in its purest form. In a next stage I make small dummies to see if the idea works in book form, if the story can sustain itself and has a satisfying ending. After that I start sketching until every problem is solved and every spread is precisely defined. Last stage is execution where I start painting all the illustrations. The whole process takes about a year.

BM: Where do you usually get your inspiration from?

LT: It is hard to pinpoint where inspiration comes from. It can be anything! However, I would say that many times inspiration seems to come from my own childhood. This happens never in a conscious way, but afterwards I can often trace ideas back to things I experienced when I was very young. For example, ‚Gust der Mechaniker‘ was inspired by my uncle’s garage where we used to play hide and seek in the weekends, hiding behind oil barrels or tires. Sometimes inspirations can be as simple as my cat, who served as model for my story ‚Ein Haus für Harry‘.

BM: Is there a story you’d love to illustrate someday?

LT: Not really. Years ago I decided to only illustrate my own stories. I just want to get better at my craft, combining words and images in an interesting meaningful way.

BM: Has your profession changed over time?

LT: Our field has professionalised enormously. When I started out, illustrating children books was barely a profession in Belgium. Of course there were great artist doing wonderful work, but since my debut in the early nineties the field has grown immensely, with many young aspiring artists trying to enter the profession. This professionalisation is a good thing, but with so many artist competing for work it is also harder to build a lasting career, and make a living. When I started out there were not so much illustrators around, and I could grow artistically, explore styles and techniques while publishing books. You could afford mistakes and failure. I’m not sure if this is still possible. Another aspect is digitalisation. Digital illustration has changed the business, for better or worse. Personally I still prefer the charm of traditional handmade art above digital art, but in the end it doesn’t really matter. The only thing that’s important is this: is it a good work?

BM: If you could be a book, which one would you be?

LT: Of course I would like to be a picture book! Maybe I would like to be ‚The very Hungry Caterpillar‘ from Eric Carle. I can eat a lot and still get to fly off as a beautiful butterfly!

Foto: Titus Simoens

Annika Depping

Annika Depping

Als Chefredakteurin versucht Annika in der Bücherstadt den Überblick zu behalten, was mit der Nase zwischen zwei Buchdeckeln, zwei Kindern um die Füße und dem wuchernden Grün des Kleingartens im Nacken nicht immer einfach ist. Außerhalb der Bücherstadt ist Annika am Literaturhaus Bremen mit verschiedenen Projekten ebenfalls in der Welt der Geschichten unterwegs.

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