Geteilte Welten, gemeinsames Abenteuer: „Split Fiction“

von | 05.07.2026 | Digitale Spiele, Spielstraße

Stell dir vor, du wirst in ein Spiel hineingezogen, in dem Science-Fiction-Laser auf märchenhafte Magie treffen und jedes Rätsel auf Teamwork ausgelegt ist. Das ist „Split Fiction“ von Hazelight Studios: ein farbenfrohes Koop-Abenteuer, bei dem man das Gefühl hat, mitten in einer wilden Brainstorming-Session zu landen. – Von Bücherstädterin Julia

„Split Fiction“ erzählt von den erfolglosen Autorinnen Zoe und Mio, die von der Aussicht auf eine Veröffentlichung zu einem mysteriösen Technologieunternehmen gelockt werden. Doch statt Erfolg werden ihnen ihre erdachten Geschichten aus dem Kopf gesaugt. Durch eine Rangelei landet die misstrauische Mio in Zoes märchenhafter Welt. Die beiden müssen zusammenarbeiten, um zu entkommen und die Intrige aufzudecken. Als Gegensätze angelegt, finden Zoe und Mio schnell zueinander.

Gefangen in ihren eigenen Geschichten

Man begleitet Mio und Zoe, die in einer fehlerbehafteten Simulation gefangen sind, welche aus ihren eigenen unvollendeten Romanen entstanden ist. Mio ist eine zurückhaltende Science-Fiction-Autorin, die mit der Pflege ihres kranken Vaters zu kämpfen hat, während Zoe von Schuldgefühlen wegen des Todes ihrer Schwester geplagt wird. Ihre gegensätzlichen Persönlichkeiten prallen aufeinander, während sie zwischen Mios eleganten futuristischen Welten und Zoes stimmungsvollen Fantasiewelten hin- und herspringen.

Während sie gemeinsam kämpfen und Rätsel lösen, spiegeln die wechselnden Genres ihre inneren Konflikte wider und bringen sie langsam dazu, sich zu öffnen, einander zu vertrauen und sich dem wahren Schmerz zu stellen, den sie hinter ihren Geschichten versteckt haben. Von futuristischen Drohnen bis hin zu bonbonfarbenen Wäldern. Das Spiel wechselt ständig zwischen Genres und Spielmechaniken und spornt dich und deine Mitspielenden immer wieder dazu an, zusammenzuarbeiten.

Sci-Fi vs. Fantasy

Das Spiel ist ausschließlich als Koop-Titel konzipiert und wird im Split-Screen-Modus gespielt, wobei ein Spieler Zoe und der andere Mio steuert. Jeder Charakter verfügt über einzigartige Fähigkeiten, die du kombinieren musst, um Plattform-, Rätsel- und Kampfherausforderungen zu meistern. Die Level wechseln ständig in Atmosphäre und Spielmechanik: Von Fahrten mit Gravity-Bikes durch Cyber-Städte bis hin zum Schleichen durch verzauberte Wälder.  In jeder Welt tauchen optionale Nebenlevel auf, die den Spielspaß an anderer Stelle fortsetzen. Jedes Level wirkt wie eine Idee, die den Entwicklern für das Hauptabenteuer vorschwebte, die sie aber nicht über ein paar Rätsel hinaus ausarbeiten konnten. Anstatt sie zu verwerfen, sind sie nun kleine Herausforderungen, die es jedes Mal wert sind, gespielt zu werden. Das Gameplay ähnelt stark dem des Vorgängers „It Takes Two“ und folgt jener preisgekrönten Formel, bei der beide Charaktere in jeder Welt zwei unterschiedliche Fähigkeiten erhalten.

Ganz perfekt ist aber auch „Split Fiction“ nicht. An manchen Stellen hätte ich mir noch etwas mehr Ruhe und vielleicht ein paar stärkere emotionale Momente gewünscht, damit die Geschichte noch länger nachwirkt. Das Spiel lebt stark von Tempo und Abwechslung, was super funktioniert, aber manchmal eben auch dazu führt, dass einzelne Abschnitte etwas weniger tief ausfallen. Trotzdem überwiegt für mich klar der positive Eindruck. Gerade weil das Spiel so kreativ ist und so viel Spaß macht, verzeiht man ihm kleinere Schwächen leichter. Am Ende bleibt vor allem das Gefühl, ein richtig besonderes Koop-Spiel erlebt zu haben.

Die Fähigkeiten machen unglaublich viel Spaß und ermöglichen kreative Rätsel, denen fast keine Grenzen gesetzt sind. Ich werde nicht zu viele der Fähigkeiten verraten, aber meine Figur, Zoe, konnte auf Knopfdruck zwischen einer Fee und einem baumartigen Groot-Charakter wechseln, während Mio sich in einen riesigen Affen und eine Axolotl-ähnliche Kreatur verwandeln konnte, die schwimmen kann. Mein persönliches Highlight war der Abschnitt, bei dem man Drachen steuern konnte.

Hazelights Koop‑Magie

Split Fiction ist für mich eine klare Empfehlung. Nachdem ich bereits Hazelights Vorgänger „A Way Out und „It Takes Two“ gespielt habe, bleibt mir eines klar: storymäßig kommt Split Fiction in meinen Augen nicht ganz an „It Takes Two“ heran. Die Emotion, Tiefe und die präzise erzählte Beziehungsgeschichte von „It Takes Two“ sind in „Split Fiction“ etwas leichter, spielerischer und weniger durchgehend mitreißend, auch wenn das Spiel durch seine humorvolle Präsentation und den ständigen Ideenreichtum eine Menge Spaß macht.

Mit knapp 13 Stunden hat „Split Fiction“ auch genau die richtige Länge für ein intensives Koop-Abenteuer. Ich freue mich auf weitere Koop-Spiele von diesem Studio. Sie haben ja schon verkündet, dass sie bereits am nächsten Koop‑Projekt arbeiten.

Split Fiction. Hazelight Studios. Publisher: Electronic Arts. 2025. Gespielt auf der PS 5. Ab 12 Jahren. / Bild: Hazelight Studios

Julia Unterkofler

Julia Unterkofler

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