Wütend bis zum Platzen ist die kleine Bella in Rebecca Pattersons „Mein fuchsteufelswilder Stinksauertag“ – ein Bilderbuch, das viel tiefgründiger ist, als es auf den ersten Blick scheint, findet Buchstabenakrobatin Melanie.
Wer kennt sie nicht, diese Tage, an denen einfach alles Sch**ße ist? An denen man schon vor dem Aufstehen weiß, dass einem einfach alles zu viel, zu laut, zu anstrengend sein wird, und schon ein falscher Blick die Wut im Bauch brodeln lässt. In Rebecca Pattersons „Mein fuchsteufelswilder Stinksauertag“ erlebt Bella genau so einen Tag. Alles beginnt damit, dass ihr kleiner Bruder Bob in IHR ZIMMER krabbelt und dort an IHREM SCHMUCK herumnuckelt. Damit nimmt der Stinksauertag seinen Lauf: Egal ob Frühstücksei, die Schuhe oder der freundliche Gruß der Nachbarin: In Bella löst einfach alles eine fuchsteufelswilde Wut aus – und die muss raus, lautstark.
Autorin und Illustratorin Rebecca Patterson lässt Bella in dem farbenfrohen Bilderbuch selbst zu Wort kommen. Der Erzähltext ist daher leicht zugänglich: simpler Satzbau, einfache Wörter, ein unverfälschter Bericht der Geschehnisse – ideal für Kinder ab drei Jahren.
Dann ging ich die Treppe runter und sah DIESES EI. Ich wimmerte und weinte und schrie: ICH KANN DAS NICHT ESSEN! Aber Mama sagte: „Letzte Woche konntest du es essen.“
Trotzdem fehlt es dem Bilderbuch nicht an Vielschichtigkeit. In der Kombination aus kindlicher Direktheit, einer auffälligen Typographie, die Lautstärke und Betonung des Gesagten erkennen lässt, und unverkennbarer Mimik in den Gesichtern der Figuren, entsteht eine ungeahnte Komik. Wer genau hinsieht, hört beim Lesen den spöttischen Ton in den Erwiderungen der Mutter, erkennt im Blick der Barbiepuppe ein genervtes Augenrollen und sieht in Bobs Babygesicht das Unverständnis über die Wutausbrüche seiner großen Schwester. Auf beeindruckende Weise ist es Rebecca Patterson darüber hinaus gelungen, die Wut der Protagonisten in den unterschiedlichsten Darstellungen ihres Mundes zu zeigen. Dem gegenüber stehen die in zarten Farben gehaltenen Aquarellbilder mit blumigen Motiven, Plüschtieren, Feenflügeln und dem stets zufriedenen Bob.
Die gezeigten Situationen sind derart alltäglich, dass sich hierin sicher viele Kinder wiedererkennen können – eine tolle Gelegenheit, über eigene Erfahrungen mit fuchsteufelswilden Stinksauertagen zu sprechen. Und neben all dem Witz erkennt man, je weiter der gezeigte Tag voranschreitet, auch Erschöpfung im Gesicht von Bellas Mama. So wird dieses Bilderbuch nicht nur zum Anlass, um über die Gefühle Bellas und der betrachtenden Kinder zu sprechen, sondern auch über die Herausforderungen, die solche Tage für Mütter – und auch Väter – mit sich bringen.
Und dann bin ich in mein Zimmer gekrochen, und Mama fragte: „Wer will eine Geschichte?“ Und ich sagte: NIEMAND! Aber sie kam trotzdem in mein Zimmer, und wir kuschelten uns aneinander […].
„Mein fuchsteufelswilder Stinksauertag“ verspricht großen Spaß beim Vorlesen und Anschauen und enthält zugleich eine Tiefgründigkeit, die einen zweiten und dritten Blick erfordert. Ein absolutes Muss in jedem Kinderzimmer und für jede Kindergartengruppe!
Mein fuchsteufelswilder Stinksauertag. Rebecca Patterson. Aus dem Englischen von Juri Johansson. Kraus Verlag. 3. Auflage. 2024.




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