Der Jugendroman „Please Unfollow“ von Basma Hallack wurde 2026 für den deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Der Roman beschäftigt sich mit der Frage, was passiert, wenn Eltern das eigene Kind für Social-Media-Content nutzen. Bücherstädterin Vanessa hat das Buch gelesen und eine starke Meinung dazu.
Basma Hallak zeigt in ihrem Jugendroman „Please Unfollow“ den Weg einer Jugendlichen auf, deren Leben seit Kindertagen in den sozialen Medien stattfindet.
Leser*innen des Romans begleiten die 17-jährige Sherezade, auch Sherry genannt, die an einem Programm für straffällig gewordene Jugendliche teilnimmt. Hier in der Sächsischen Schweiz scheint sie niemand zu kennen. Obwohl sie sich selbst als transparent sieht, denn ihre Eltern teilen, seit sie klein ist, ihr gesamtes Leben in den sozialen Netzwerken. Merle und Anton White haben schon vor Sherrys Zeit Content produziert, allerdings brachte ihnen erst ihre Tochter den großen Durchbruch.
Challenges, gesundheitliche Probleme, die erste Liebe, Bikini-Tests – alles Dinge, die sich gut zu Content machen lassen. Vom ersten bis zum 18. Lebensjahr ist ständig eine Kamera an Sherrys Seite. Die Followerzahlen steigen nur so, das Interesse daran, Teil von Sherrys Leben zu sein, ist hoch. Aber möchte Sherry noch Teil dieses Lebens sein? Denn ohne Grund wird sie nicht in der Sächsischen Schweiz gelandet sein.
Ein ungefilterter Blick in das Leben einer Kinderinfluencerin
„Please Unfollow“ stand schon mit Erscheinen auf meiner Leseliste. Als Gen Z bin ich zum Teil mit der glitzernden Welt der Influencer großgeworden und habe mitbekommen, wie auch Kinder Teil dieser Welt wurden. Etwas, womit ich mich damals nie auseinandergesetzt habe, sind die Folgen dessen. Deswegen war es für mich so wichtig, dieses Buch zu lesen, denn auch wenn Sherry eine fiktive Person ist, bekommt man einen Einblick in mögliche Folgen und Konsequenzen der ständigen medialen Präsenz.
Dadurch, dass Sherrys Geschichte in der Ich-Perspektive erzählt wird, bekommen Leser*innen all ihre Gedanken und Handlungen ungefiltert mit. Ergänzt wird ihre gegenwärtige Erzählung durch Rückblenden in ihre Vergangenheit. Diese Rückblenden behandeln die Inhalte der Videos, in welchen Sherry zu sehen ist. Durch angedeutete Videobeschreibungen erfahren Leser*innen stets, in welchem Lebensjahr sich die Protagonistin gerade befindet. Weitere Informationen, wie die Anzahl der Abonnent*innen und Videos des Kanals, waren für mich interessante Ergänzungen.
Neben den Videoinhalten kann man auch die Kommentare unter den beschriebenen Videos lesen. Man findet sich zwischen Support, Aufklärung, Hass, Bodyshaming und der Sexualisierung eines Kindes wieder. Das hat schon mit mir als Leserin viel gemacht. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was Kommentare wie diese mit betroffenen Personen machen. Ab einem gewissen Punkt haben die Zuschauer*innen unfassbar hohe Erwartungen an Sherry, wollen immer mehr und immer intensiver Teil ihres Lebens sein – ob sie das selbst möchte, ist dabei völlig egal.
Ein wichtiger Roman, der berührt und aufrüttelt
Das Dilemma von Sherry wird im Laufe des Buches immer deutlicher. Sie sehnt sich danach, endlich auf Leute zu treffen, die sie nicht kennen, die nicht alles über sie wissen. Für einige Zeit erfüllt sich ihre Sehnsucht, was ich zugegeben schade fand. Es war für mich schwer vorstellbar, dass sie wirklich an einem Ort gewesen sein soll, an dem sie niemand erkannt und angesprochen hat. Es stellt sich zwar heraus, dass ihre neuen Freunde wussten, wer sie ist, aber dass es niemand anderem an diesem Ort in der Sächsischen Schweiz aufgefallen sein soll, halte ich für unrealistisch.
Abgesehen davon empfinde ich das Buch als sehr gelungen. Hallaks Schreibstil konnte mich schnell fesseln, da er leicht verständlich ist. Die Szenen aus Gegenwart und Vergangenheit erleichtern die Identifikation mit Sherry. Neben Sherry empfand ich auch die Ausarbeitung der anderen Figuren besonders gelungen und konnte dadurch nachvollziehen, warum sie manche Entscheidungen getroffen haben. Die eingebundene Liebesgeschichte hat die Erzählung für mich noch runder und authentischer gemacht, ohne dass sie zu viel Raum einnimmt und der Partner am Ende als „Retter“ dargestellt wird.
Immer öfter werden Stimmen laut, die sagen, dass Kinder nicht ins Internet gehören. Und die Geschichte von Sherry zeigt, warum. Aus diesem Grund finde ich es unfassbar wichtig, dass dieses Buch gelesen wird, denn es gibt Kindern eine Stimme, die vielleicht noch keine haben. Es zeigt die Gefahren, Folgen und Konsequenzen des, womöglich auch unüberlegten, Postens seines Kindes und das alles aus der Sicht der Betroffenen. Eine Leseempfehlung nicht nur für Jugendliche ab 14 Jahren, sondern auch für Eltern, Lehrer*innen und alle anderen, die sich in den sozialen Medien bewegen.
Please Unfollow. Basma Hallak. Arctis. 2025. Ab 14 Jahren.



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