Rätselraten in „Dead Air“

von | 31.10.2026 | #Todesstadt, Buchpranger

Josi Wismar ist eigentlich für New Adult bekannt und hat mit „Dead Air“ ihren ersten Thriller veröffentlicht. Im Rahmen der Todesstadt stellt Satzhüterin Pia das Buch genauer vor.

Die True-Crime-Podcasterin Sophie lädt für ein besonderes Live-Event rund um den Fall des verschwundenen Weltbestsellerautors Adam Ashwood ausgewählte Gäste in ein abgelegenes Bergchalet am Eibsee ein. Ein exklusives Wochenende, bei dem Sophie mit ihren Gästen ein bisher unveröffentlichtes Manuskript des Autors unter die Lupe nimmt, um das Rätsel von dessen Verschwinden zu lösen.

„New-Adult-Thriller“

Die Geschichte wird aus drei wechselnden Perspektiven erzählt. Neben Sophie wird auch aus Sicht der feministischen YouTuberin Mara sowie der Verlegerin Ella wiedergegeben. Der Schreibstil ist gefällig, liest sich flüssig – die Stimmen unterscheiden sich aber kaum, so dass ohne die Kapitelüberschriften mit dem jeweiligen Namen eine Zuordnung schwierig ist. Der Text wird viel durch die Podcast-Szenen und das Manuskript aufgelockert. Trotzdem ist es leider keine fesselnde Lektüre gewesen: Mindestens zweidrittel des vermeintlichen Thrillers lassen echte Spannung missen und wirken einfach stark nach einer New-Adult-Autorin, die sich um einen Thriller bemüht. Das letzte Drittel wird marginal besser, in dem etwas Tempo aufkommt und sich Wendungen auftun, die beim Lesen überraschen können.

Das Buch kommt ohne Grusel oder explizite Gewalt aus, was für einige Leserinnen und Leser durchaus für die Geschichte sprechen kann. Der Erwartungshaltung, die mit dem Label „Thriller“ geweckt wird, kann das Buch jedoch keinesfalls gerecht werden. Das Gänsehaut-Feeling, atemlose Spannung und eine spannend-düstere Atmosphäre, das alles fehlt. Dafür bekommt man eher eine Art Spannungsroman, der zum Miträtseln einlädt, dem jedoch nur Neulinge des Genres auch wirklich Spannung entnehmen können.

Rätselraten und Gesellschaftskritik

Gesellschaftliche Relevanz mag ich auch immer gerne – hier wirkt es insgesamt etwas bemüht und unausgereift, so dass das stimmige Gesamtbild auf der Strecke bleibt. Ein Internet-Fan, der Sophie stalkt und unangekündigt auftaucht? Kurz Thema, dann vergessen. Einige andere Aspekte rund um feministische Themen werden stärker ausgearbeitet. Alles in allem wirkt das Buch aber eher konstruiert – viele Passagen und Dialoge sind sehr ausführlicher auserzählt und lassen wenig Raum für Spannung und eigene Spekulation.

Ein True-Crime-Podcast, bei dem ein rätselhafter, aber auf den ersten Blick eher schwacher Fall in einer ziemlich gigantischen Show aufgeblasen wird – so wirkt es anfangs. Der Plottwist am Ende ist mehr als für Sophie und ihr Team anfangs zu erwarten war, so dass die ganze Show insgesamt eher an den Haaren herbeigezogen wirkt.

„Dead Air“ war mein erstes Buch von Josi Wismar und eine Thriller-Leserin bin ich bisher auch nicht. Bei diesem Buch tippe ich darauf, dass es etwas für Leserinnen und Leser der New-Adult-Romance-Bücher der Autorin ist, während Thriller-Fans lieber zum Fitzek-Buch neben „Dead Air“ greifen sollten. Für mich war das Buch leider nichts.

Dead Air. Josi Wismar. Heyne. 2026.

Pia Zarsteck

Pia Zarsteck

Pias Liebe zur Literatur hat sie vor Jahren an die Uni Bremen geführt, wo sie bis zum Masterabschluss Germanistik studierte. Heute ist sie Vorsitzende im Bücherstadt e.V., Mama einer Tochter und beruflich ganz woanders unterwegs - aber immer noch vernarrt in Bücher und Spiele. Ein Leben ohne die Bücherstadt kann sie sich nicht vorstellen.

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