Raus aus dem Sonntagspyjama – Heute ist Geschichtenzeit!

von | 31.05.2026 | Buchpranger, Kinder- und Jugendbücher, Stadtgespräch

Das Kulturcafé „Kukoon“ in der Bremer Neustadt öffnet an jedem ersten Sonntag im Monat die Türen für Familien und holt Bremer Kinderbuchschaffende auf die Bühne. – Von Bücherstädterin Riekje

„Wann ist denn eigentlich Ostern?“ – „Das war schon!“ – „Ach wirklich? Und war der Osterhase bei euch unter dem Tannenbaum?“ – „Neeeein! Im Garten! Ich habe ganz viele Ostereier bekommen, aber die waren sehr klein!“

Zwischen dem Autor Michael Augustin auf der Bühne und den Kindern in der ersten Reihe entflammt eine Diskussion, so aufregend, dass es den Kindern unmöglich scheint, auf ihren Plätzen zu sitzen. Doch sobald der Autor seinen Blick auf das Buch senkt und die gereimten Zeilen vorliest, sitzen sie alle still da, mit offenen Mündern und glänzenden Augen.

„Im Moment ist Übergangszeit, dann kommen weniger Leute. Aber wir hatten hier auch schon 40 Kinder mit ihren Eltern, das war wirklich schön!“, erzählt Eike Strubelt aus dem „Kukoon“-Team. Das Kulturcafé bietet in der Neustadt einen sozialen Raum für Kultur und Kommunikation. Dabei agiert es als Kulturverein gemeinnützig und schafft einen niedrigschwelligen Zugang zu kulturellen Angeboten, wie zum Beispiel der monatlichen Geschichtenzeit, bei der Bremer Kinderbuchschaffende aus ihren Werken vorlesen. „Wir wollen das hier unbedingt weiterführen, am liebsten auch weiter ohne Eintritt, damit der Zugang für die Kinder einfach bleibt“, erklärt Eike.

Der frühe Vogel fängt den Wurm

Und so stehen die Türen des „Kukoon“ einmal im Monat am Sonntagvormittag offen, wenn die Neustadt langsam erwacht. Während verschlafene Studierende beim Bäcker gegenüber Brötchen holen, begrüßt Eike die ersten Familien freudig, auch wenn sie ein wenig früh dran sind. Kinder schlafen auch am Sonntag nicht aus. Auf der Bühne des Cafés stehen ein Sechziger-Jahre-Sessel und eine passende Stehlampe bereit. Die gesamte Einrichtung ist im Wohnzimmer-Stil vergangener Zeiten gehalten. Die eintreffenden Familien wirken entspannt und kennen sich aus. Im Kinderbereich unter der Treppe entsteht ein dynamisches Spiel und Freunde begrüßen sich herzlich. Die Eltern holen Kaffee, die Kinder freuen sich auf ihre Nachbarn. „Wann kommen die anderen eigentlich, die verpassen noch das Buch!“ – „Vielleicht frühstücken die noch. Schau mal, man kann sich schon ein paar Bücher anschauen!“

Und tatsächlich, der Kinderbuchautor Michael Augustin ist inzwischen eingetroffen und richtet sich auf der Bühne ein. Er hat einige seiner Werke mitgebracht, die natürlich bestaunt werden dürfen. Munter berichtet er, dass es in Bremen mehr Kinderbuchschaffende gibt, als man vielleicht denken würde. Sie haben sich als die „Weserautor:innen“ zusammengetan, tauschen sich kreativ aus, knüpfen Kontakte zu unterschiedlichen Stellen und schufen die Website www.weserautoren.de.

Seinen Auftritt auf der Bühne beginnt Michael Augustin mit Frage-Antwort-Spielen und einer Menge Wortwitz. Dafür erntet er lautes Kinderlachen. Die erste Reihe überschlägt sich beinah beim Antworten auf Fragen wie: „Welche Tiere legen denn eigentlich Eier?“ Hier sitzen Kinder ohne die Eltern, denn sie sind ja schon groß, in etwa zwischen 4 und 8 Jahre alt. Weiter hinten sitzen Eltern mit Kleinkindern auf dem Schoß. Insgesamt sind es 15 Kinder mit ihren Familien.

Da schlüpft die Katze aus dem Ei …

Nach der einführenden „Eierdiskussion“ liest der Autor das Bilderbuch „Hundert Eier für die Feier“ vor und schlagartig wird es still. Dreißig Kinderaugen hängen an seinen Lippen, während einzig ein spielendes Baby im Kinderbereich und das klappernde Geschirr in der Küche zu hören sind. Begeistert brechen die Kinder am Ende in Gelächter aus, als aus den „Ostereiern“ plötzlich Schlangen und Pelikane schlüpfen. „Was für Eiertiere wünscht ihr euch denn zum nächsten Ostern?“, fragt der Autor. Die Antwort: „Krokodil, Hase, Katze und Hai!“ Nun gut, man kann sich ja alles wünschen.

Beim Vorlesen der Gedichte aus dem Buch „Der Holzwurm wohnt im Schaukelstuhl“, der eigentliche Star der Veranstaltung, ist dem Autor die Aufmerksamkeit der Kinder gewiss. Auch wenn die Kleinsten nun unruhig werden und in den Spielbereich wechseln, auch wenn die Erwachsenen sich leise unterhalten, die Kinder werden immer wieder in den Bann der Reime und Wortspiele gezogen. Michael Augustin kündigt das baldige Ende der Lesung an. „Ich lese euch nun noch zwei Gedichte vor.“ – „Ja, les die bitte!“, ertönt sogleich die Antwort.

Nach der Lesung ist der Kaffee noch lange nicht ausgetrunken. Die Kinder gehen ins Spiel über und verarbeiten die Eindrücke. Auf die Frage hin, ob ihm die Lesung gefallen habe, antwortet eines der Kinder: „Ja, es war lustig. Am besten war, dass das Pferd den Reiter gebraten hat! Wahrscheinlich wird es auch beim nächsten Mal wieder dabei sein, wenn es heißt: Heute ist Geschichtenzeit!“

Riekje Dreier

Riekje Dreier

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