In seinem zweiten Vortrag im Logbuchladen in Bremen präsentiert und diskutiert Alexander Braun die Inhalte seiner Comic-Ausstellung in Dortmund, sowie das dazugehörige Buch „Black Comics: Vom Kolonialismus zum Black Panther“. – Von Bücherstädterin Vesa
Als renommierter deutscher Kunsthistoriker, bildender Künstler und zweifacher Eisner-Preisträger zählt Braun zu den führenden Expert*innen für Comicgeschichte in Deutschland. Obwohl seine Entscheidung, als weißer Mann eine Ausstellung zur Geschichte Schwarzer Menschen in Comics zu kuratieren, kontrovers diskutiert wurde, versichert er, dass er aufgrund seiner Qualifikationen bestens für diese Aufgabe geeignet ist.
Das ist nicht so, wie es aussieht
Im Mittelpunkt seines Vortrags steht die Kritik an der Vereinfachung der Geschichte: Braun möchte aufzeigen, wie bestimmte Fälle, die vorschnell als rassistisch und damit wertlos abgetan werden könnten, differenzierter betrachtet werden müssen. Manche Comics und Filme, die schreckliche Stereotype (insbesondere durch das entwürdigende Minstrel-Image) verbreiteten, erschienen auf den ersten Blick eindeutig rassistisch. Bei genauerer Betrachtung der Projekte zeigt sich jedoch, dass sie entweder satirisch waren oder die Befreiungsbewegung der Schwarzen Menschen unterstützten – in ihrer visuellen Darstellung jedoch aufgrund ihres Entstehungskontexts schlichtweg unreflektiert.
Braun erklärt, wie wichtig die Kontextualisierung für das Geschichtsverständnis ist. Das stimmt zwar, doch Kritik lässt sich meiner Meinung nach nicht gänzlich ausblenden: Diese Geschichten der Vergangenheit mögen für ihre Zeit fortschrittlich gewesen sein, enthalten aber dennoch rassistische Elemente, ob beabsichtigt oder nicht. Braun brachte es in seinem Vortrag treffend auf den Punkt: „Gut gemeint, aber nicht gut gemacht.“
Aber er ist doch Weiß!
Braun ist der Ansicht, dass alle Menschen unabhängig von ihrer Hautfarbe jede beliebige Kunstform schaffen können sollten. Er argumentiert, dass ein Verbot der Karikierung einer bestimmten Bevölkerungsgruppe diese weiterhin vom Rest der Gesellschaft abgrenzt und sie sogar infantilisiert.
Dieser Ansicht stimme ich teilweise zu, bin aber auch der Meinung, dass Darstellungen unterdrückter Gruppen mit Sensibilität und Respekt vor ihrer Geschichte erfolgen sollten. Das Risiko, schädliche Stereotype zu verfestigen und eine ohnehin marginalisierte Gruppe weiter zu degradieren, ist hoch und ein schmaler Grat, auf dem man sich nur schwer bewegen kann.
Obwohl Braun sich offenkundig gegen Rassismus und für historische Klarheit einsetzt, verfällt er im Laufe seiner Präsentation in unangenehme Ausdrucksweise. Er bezeichnet diejenigen, die ältere Werke vorschnell als rassistisch abstempeln, als „Woke-Community“ und warnt vor dem „Wokeismus“. Angesichts der Tatsache, dass der Begriff „woke“ und „staying woke“ ihren Ursprung in der Schwarzen Community haben, wirkt dies (bestenfalls) ignorant. Trotzdem bietet Braun insgesamt als gebildeter Experte eine differenzierte Sicht auf die Geschichte und zeigt, dass man nicht alles auf den ersten Blick beurteilen kann – auch wenn er selbst noch an seiner eigenen Sensibilität arbeiten könnte.
Black Comics. Dr. Alexander Braun. Logbuchladen. 2026.



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