In Museen hast du es vielleicht schon gesehen: Sorgfältig drapierte Erstauflagen hinter dicker Glasplatte oder original gezeichnete Comic-Seiten nebeneinander an der Wand. Doch ist es eigentlich möglich, Literatur und Kunst in einer künstlerischen Ausstellung zu kombinieren? Kurze Antwort: Ja. Lange Antwort: Lass mich etwas weiter ausholen. – Von Anne Zandt
Kunstausstellungen und Literatur zu verbinden, geht auf die verschiedensten Arten.
Es gibt Kunstschaffende, die Objekte aus Worten oder mit Worten bedruckt erschaffen. Das konnte Ende 2024 zum Beispiel in der Aktion „Seele setzen“ der Stralsunder Autorin Anke vom Sund gesehen werden. Sie bedruckte Segelstoff mit ihren und den Gedichten anderer Schreibender und stellte diese in der Marienkirche in Stralsund aus. 2025 erschuf sie außerdem zusammen mit der Bildenden Künstlerin Helene Beckmann das Städtische Poesiealbum aka Lyrikfenster in Stralsund (Altstadt, Mühlenstraße 41, direkt unterm Wal, in einem öffentlich zugänglichen Schaukasten). Dort stellten sie Texte als Druckkunst aus und die Besuchenden der monatlichen Lesungen brachten Gegenstände mit, die manchmal sehr genau auf den Text passten, den sie vorher nicht kannten. In diesem Jahr wird das Projekt zu „Fundstück trifft Fundstück“ ausgebaut. Dafür wurden Mikro-Texte (1.000 Zeichen) gesucht, die gestalterisch (z.B. Bleisatz) aufbereitet und mit einem Fundstück (Druckkunst) aus dem Stralsunder Speicher Haus für Druckkunst zusammengebracht werden. Aktuelle Infos gibt es auf ihrem Instagram-Account.
Andere Schreibende nutzen Würfel, Bilder oder Fotos, um sich davon inspirieren zu lassen. Das Bücherstadt Magazin (damals noch Bücherstadt Kurier) hatte vor einigen Jahren die Aktion #100Bilder100Geschichten, für die mehrere meiner Texte ausgewählt wurden. Sogar meine allererste Veröffentlichung ist darüber erschienen.
Ansonsten habe ich an zwei weiteren Formaten teilgenommen.
Zum einen wurde ich von der Bildenden Künstlerin Christine Lengtat eingeladen, an ihrem Kunstprojekt „Die Zeitkappe“ teilzunehmen. Dies entstand im Rahmen des „Neue Räume 2323“-Projekts und zeigte die heutige Welt als Rückblick in der Zukunft. Dafür präparierte sie Radkappen, die je mit einer Geschichte versehen war. Diese Geschichte wurde von den Autor:innen geschrieben und eingelesen und konnte in der Ausstellung über einen QR-Code angehört werden. 2024 belegte das Projekt den 3. Platz des 1. Hofer Kunstpreises.
Das andere war unsere Abschlussausstellung des MentoringKUNST-Programmes, bei dem die Werke von Bildenden Künstlerinnen mit denen von Autorinnen kombiniert wurden. Von mir schafften es Manuskriptseiten in Rahmen an die Wände. Zum einen, weil mein Überarbeitungsprozess interessant anzusehen war – ich hatte per Hand Korrekturen auf ausgedruckten Seiten vorgenommen –, zum anderen, weil ich diesen mit einem gekonnt umgekippten Glas Wasser „verschönert“ habe. Dieses ungeplante Kunstwerk fand zu meinem Erstaunen viel Begeisterung.
Außerdem wurde eine Aufzeichnung einer Lesung in verteilten Rollen aus meinem Debütroman „Das Jahr des Mondes“ auf einem Monitor abgespielt und konnte angehört werden.
Generell sind Lesungen Veranstaltungen, in denen du künstlerisch kreativ werden kannst. Lautgedichte á la Hugo Ball, spontan geschriebene Texte anhand von Stichworten aus dem Publikum oder nur dem vorherigen Satz, Lesen in verteilten Rollen, musikalische Untermalung – das alles lässt die Lesung weit über die typische „Wasserglas-Lesung“ (Autor:in sitzt mit einem Glas Wasser am Tisch und liest den Text) hinausgehen.
Du siehst: Es gibt viele Möglichkeiten, Kunst und Literatur zu verbinden. Was davon ist dir schon begegnet? Was würdest du gerne mal ausprobieren?




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