In seiner pastelligen Graphic-Novel-Biografie „Die Weltenerschaffer“ gibt John Hendrix spannende Einblicke in Leben und Schaffen von C. S. Lewis und J. R. R. Tolkien. Ihre Bücher haben die Literatur nachhaltig geprägt. Buchstabenakrobatin Melanie ist durch die Bildergeschichte gereist und auf eine besondere Freundschaft gestoßen.
C. S. Lewis‘ und J. R. R. Tolkiens Werke ziehen uns noch heute, viele Jahrzehnte nach ihrem Erscheinen, in den Bann. Sie sind Wegweiser und Toröffner für ein gesamtes Genre und weit mehr als bloße Fantasiegeschichten. Doch wer sind eigentlich die Männer hinter den weltberühmten Erzählungen über Narnia, Mittelerde, den Sprachforscher Dr. Elwin Ransom und Bilbo Beutlin?
John Hendrix nimmt uns in seiner Graphic Novel „Die Weltenerschaffer“ mit auf eine Reise in das Leben der Schriftsteller und gibt Einblicke in die Motivationen, Gedanken und Gefühle hinter den Geschichten. Zugleich berichtet er von Krieg und Verlust, den beide Männer mehr als einmal erleben müssen, gibt Einführungen in Literatur- und Sprachgeschichte und berichtet von gesellschaftlichen und religiösen Hindernissen auf den Entstehungswegen der Werke. Nicht zufällig erzählt Hendrix in seinem Sachcomic eine doppelte Autorenbiografie, denn Lewis und Tolkien teilen nicht nur ihren Ruhm als Wegbereiter für eine anspruchsvolle Fantasyliteratur, sie waren Freunde, enge Vertraute und gegenseitige Ratgeber, Kritiker sowie Ideengeber – ob es Narnia und Mittelerde ohne ihre Freundschaft geben würde, ist fraglich.
Mehr als eine klassische Biografie
Bestsellerautor und Illustrator John Hendrix gesteht gleich auf den ersten Seiten, dass dieses Projekt für ihn eine Herzensangelegenheit ist, denn auch er verliert sich nur zu gern in den magischen Geschichten der Ausnahmetalente. So wundert es nicht, dass sich diese Biografie nicht als kühle Aneinanderreihung von zentralen Lebensabschnitten und -ereignissen erweist. Vielmehr erschafft auch Hendrix eine eigene Welt und stellt den Leser*innen einen spitznasigen Zauberer und den gutmütigen Mr. Löwe an die Seite, um diese zu erkunden. Gemeinsam mit ihnen durchschreiten wir die Leben der Literaten, von der frühen Kindheit und ihren ersten Schreibversuchen, durch traumatische Erlebnisse in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs, entlang der gepflasterten Gassen und des Campus in Oxford bis zu ihrem Tod. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf Familie, Freundschaften und der Liebe zu Volkssagen, Mythen und Epen, die Lewis und Tolkien teilen. Die Freundschaft der Männer ist Antrieb und roter Faden dieser Biografie.
Angereichert mit literaturwissenschaftlichen Exkursen zur Unterscheidung von Mythen, Märchen und Fantasy, zum erstmals auftretenden Fankult um Tolkiens „Der Herr der Ringe“ und den berüchtigten Treffen der literaturvernarrten „Inklings“ ist dieses Buch weit mehr als ein Lebensbericht. „Die Weltenerschaffer“ liest sich beinahe wie ein Liebesbrief an Lewis und Tolkien, an die Macht der Freundschaft und der Fantasie.

Pastellige Farben und ein Mix aus Erzählung und Comic
Auch in puncto Gestaltung und Erzählweise geht Hendrix einen eigenen Weg: Er kombiniert detailliert und kunstvoll gezeichnete Bilderreigen, ganzseitige Illustrationen, kleine Abbildungen und Schaubilder mit längeren Textsequenzen – nur so ist die Fülle an Informationen auf gut 200 Seiten unterzubringen. Der Wechsel zwischen Erzähltext und Comic ist angenehm zu lesen, bringt Abwechslung und bereichert die ohnehin spannenden Lebensgeschichten um eine visuelle Ebene. Die Farbwelt setzt sich aus pastelligen Lila-, Gelb- und Blautönen sowie verschiedenen Schattierungen von Schwarz zusammen. So gelingt es Hendrix, sowohl die Schrecken des Krieges als auch die beflügelnden Gespräche über Fantasie, Religion und Geschichten atmosphärisch zu zeigen. Die Comicsequenzen kommen teilweise etwas unruhig daher, doch unterschiedliche Sprechblasenformen – eckig für den Zauberer, rund für Mr. Löwe – und Schriftarten helfen bei der Orientierung. Comic-Neulinge brauchen gegebenenfalls etwas Eingewöhnung, bevor sie sich auf den Bildseiten zurechtfinden, doch dann werden auch sie sich in Detailreichtum und Witz von Bildern und Gesprächen vertiefen können.
Nicht nur eine Empfehlung für Fantasy-Fans
Der Sachcomic „Die Weltenerschaffer“ erzählt auf fantasievolle Weise die Lebensgeschichten von C. S. Lewis und J. R. R. Tolkien und kann sicher nicht nur Fantasy-Fans begeistern. Auch literaturgeschichtlich Interessierte und Freund*innen von besonderen Erzählweisen und kunstvollen Bildwelten werden Freude an diesem Buch haben. Die Mischung aus anspruchsvollen Texten, tiefgründigen und historischen Themen wie Glaube und Krieg mit den verspielten Figuren Zauberer und Löwe sowie den kreativen Illustrationen spricht Jugendliche wie erwachsene Leser*innen an. Ich empfehle es gern weiter!
Die Weltenerschaffer. Von Mittelerde bis Narnia: Die fantastische Freundschaft von C. S. Lewis & J. R. R. Tolkien. John Hendrix. Aus dem Englischen von Anna Opel. Knesebeck. 2026.




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