Sommer in Schweden, für viele gibt es kaum etwas Schöneres, doch nicht immer ist eine Reise möglich. Wer sich das schwedische Sommergefühl nach Hause holen möchte, findet in „So schmeckt mein Sommer. Astrid Lindgrens Kochbuch“ köstliche Rezepte, kreative Ideen und Geschichten rund um Midsommar, Picknick und Krebsessen. – Von Buchstabenakrobatin Melanie
Ein Sommermorgen auf dem Land. Früh, ganz früh, bevor ein anderer erwacht. Ich gehe hinunter zum Steg und bade, dann sitze ich nur da und starre auf das Wasser […]. Ich sitze nur da, und in mir breiten sich Frieden und Ruhe aus […]. (S. 155)
Ohne Frage, Schweden hat einen ganz besonderen Charme. Hier weiß man, wie man Natur, Entschleunigung und Genuss verbindet – ganz besonders in den Sommermonaten. Die scheinbar endlosen, hellen Tage und Nächte laden dazu ein, in der Natur zu sein und ihre Schätze zu genießen: glasklare Seen und Flüsse, die zum Schwimmen, Angeln und Bootfahren verleiten, weite Wälder, in denen zahlreiche Beeren und Pilze auf Sammler*innen warten, und Wiesen voll bunter Blumen, die zu Kränzen gebunden werden wollen. Und neben dem Midsommar-Fest, einem der wichtigsten Feiertage in Schweden, der den Sommerbeginn und die längsten Tage des Jahres zelebriert, gibt es vieles mehr, das den Sommer in Schweden beinahe magisch macht.
All das verbindet „So schmeckt mein Sommer. Astrid Lindgrens Kochbuch“, das in diesem Jahr im Oetinger Verlag erschienen ist. Wie in seinem Vorgänger „So schmeckt mein Weihnachten. Astrid Lindgrens Kochbuch“ werden auch hier Geschichten, Beiträge aus Zeitschriften, Tagebucheinträge und Berichte von Astrid Lindgren und ihren Verwandten mit Rezepten des schwedischen Kochs Fredrik Eriksson kombiniert. Hinzu kommen Einblicke in die schwedische Ess- und Lebenskultur von Ernährungshistoriker Richard Tellström, Fotos von Lina Eidenberg Adamo und die bekannten Illustrationen aus Lindgrens Kinderbüchern.
Sie saßen da und aßen ihre Waffeln und schauten auf ihren Garten und ihr Schreinerhaus und fanden alles ganz unvergleichlich schön. Der wilde Jasmin blühte und sandte seinen süßen Duft aus, die Heckrosen waren übersät mit zartrosa Knospen, der Erdboden war grün und voller Blüten […] Oh ja, es war alles unbeschreiblich schön. (S. 177)
Dieses Buch ist mehr als ein Kochbuch, eine Sammlung von Sommererzählungen Lindgrens oder ein Einblick in die schwedische Kultur. Es überzeugt durch die gelungene Verbindung seiner Einzelteile und seiner Ästhetik, die sich nicht nur in Landschaftsbildern, sondern auch in Fotografien von Speisen, Festtafeln und Kochtöpfen zeigt. Alle Bestandteile erscheinen liebevoll und mit Bedacht ausgewählt. Die Rezepte ergänzen die Geschichten der Kinderbuchautorin und die historischen Beiträge von Richard Tellström sowie die übrigen Texte geben interessante Hintergrundinformationen über das Leben und Essen in Schweden.
Zum Nachmachen haben mich besonders die vielversprechenden Rezepte für Gebäck und Torten und der Gedanke an eine traditionelle Fika animiert. Diese ist nicht nur eine Kaffeepause, sondern ein soziales Ritual der Entschleunigung. Man trinkt Tee oder Kaffee, isst Gebäck und zelebriert mit Freund*innen, Kolleg*innen oder der Familie eine Auszeit vom Alltag. Hierzu passen Marzipantorte, Blätterteiggebäck mit Erdbeeren oder Spritzgebäck, gefüllt mit selbstgemachter Konfitüre. Und ganz sicher werde ich mich auch einmal am Rezept der Småländischen Kartoffelklöße, an selbstgemachten Säften, einem Fischbällchen-Sandwich mit Rote-Bete-Salat und Lovis‘ Brot versuchen.
„So schmeckt mein Sommer. Astrid Lindgrens Kochbuch“ ist eine bildschöne Einladung, sich den schwedischen Sommer nach Hause zu holen, die Schönheit der Natur – die es selbstredend auch hier in Deutschland gibt – wertzuschätzen und besonders jetzt im Sommer innezuhalten und sich und seine Liebsten mit gutem Essen zu verwöhnen. Und das muss gar nicht aufwendig sein, manchmal reichen schon Eierküchlein mit Konfitüre oder neue Kartoffeln in Béchamelsoße, um einen Sommertag auch kulinarisch abzurunden.
„Diesen Sommer“, sagte er und sah Ronja an, „ja, diesen Sommer werde ich bis an mein Lebensende in mir tragen, das weiß ich.“ (S. 242)
So schmeckt mein Sommer. Astrid Lindgrens Kochbuch. Rezepte von Frederik Eriksson. Fotos von Lina Eidenberg Adamo. Aus dem Schwedischen von Ricarda Essrich. Oetinger. 2026.




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